Donnerstag, 15. Juli 2010

Schick mir keine Blumen (1964)

SCHICK MIR KEINE BLUMEN (Send Me No Flowers) war die dritte und letzte Zusammenarbeit des Traum-Trios Doris Day, Rock Hudson und Tony Randall. Unter der Regie von Norman Jewison entstand eine Komödie, die zwar in Sachen Plot-Verwicklungen den Vorgängern nicht das Wasser reichen kann, dafür aber andere Qualitäten besitzt.

Hier steht einmal nicht das Kennenlernen von Day und Hudson im Vordergrund, sondern die beiden sind bereits lange verheiratet, wenn der Film beginnt. Er ist der jammernde Hypochonder, der von Tablettenwerbung träumt und einen ganzen Badezimmerschrank voller Medikamente besitzt, sie spielt die treusorgende Gattin, die extrem genervt von seinen eingebildeten Krankheiten ist, ihm aber dennoch liebevoll Schlaftabletten-Placebos aus Zucker herstellt ("Wenn er zwei davon nimmt, schläft er doppelt so schnell ein!").
Dank eines dummen Missverständnisses beim Arzt glaubt Hudson nun, dass er in wenigen Wochen sterben muss, und so muss er schleunigst einen Mann für seine baldige Witwe finden...

Dieser klassische Plot wurde inzwischen so oft variiert und kopiert, dass man ihn eigentlich nicht mehr sehen kann. Interessanterweise bekommt Doris Day in SCHICK MIR KEINE BLUMEN den nebensächlisten Part, während Rock Hudson die Protagonisten-Rolle übernimmt. Day kann immer nur auf die Vorgänge reagieren, die er auslöst, ohne dass sie jemals begreift, was vor sich geht. Komödiantische Nummern bekommt sie nur zwei - in der ersten schließt sie sich frühmorgens aus dem eigenen Haus aus und muss sich unter anderem vor den Augen des Postboten entkleiden, in den Lieferungen des Milchmannes herumtrampeln und in Nachthemd und Puschen nach ihrem Mann rufen. In der zweiten gerät ein Golfwagen außer Kontrolle und rast mit ihr über den Golfplatz, durch Rasensprenger und in einen Sandhügel. Insgesamt spielt Doris Day hier eine Frau von eher schlichtem Gemüt, die sich für Nachbars-Klatsch interessiert und kaum aus ihrem Vorstadt-Leben hinausgekommen zu sein scheint. Das ist schon schade, weil sie in den Filmen zuvor den Prototyp der alleinstehenden und beruflich erfolgreichen Frau dargestellt hat. Dass sie laut Plot nicht imstande ist, ihre Finanzen unter Kontrolle zu halten und deshalb dringend verkuppelt werden muss (alleine ist sie offenbar nicht lebensfähig), denunziert sie zusätzlich.

Rock Hudson kann in SCHICK MIR KEINE BLUMEN hingegen zeigen, dass er mehr Talent besitzt als ihm gemeinhin zugetraut wurde. Seine Anfälle von Todesangst, Todessehnsucht und Melancholie sind sehr amüsant anzuschauen. In seinen besten Momenten sinniert er über die "einfachen Dinge" wie einen Baum im Garten: "Wann hast du dir zum letzten Mal einen Baum angesehen? Ich meine, wirklich angesehen!?". Auch Hudsons Ausflüge ins Beerdigungsinstitut sind äußerst komisch. Die eigentlichen Highlights des Films aber bleiben seine Szenen mit Tony Randall. 

Randall hat hier den witzigsten Part. Als bester Freund Hudsons (in den er möglicherweise auch ein bisschen verliebt ist) verfällt er nach der vermeintlichen Todesbotschaft umgehend dem Alkohol und ist für den Rest des Films nicht mehr nüchtern anzutreffen. Er schreibt ununterbrochen an einer bewegenden Grabrede für seinen besten Freund, streicht aber fortwährend seine Lobeshymnen zusammen, je mehr sich Hudson als egoistische, zickige Diva herausstellt.

Allein wegen Tony Randalls urkomischer Darstellung wäre SCHICK MIR KEINE BLUMEN schon sehenswert. Durch die Zugabe des Traumpaars Hudson/Day, das ein vollkommen entspannt eingespieltes Team abgibt, sowie einige schön schwarzhumorige Einfälle und skurrile Nebenfiguren (Edward Andrews als Dr. Morrissey, der von Doris Day zur Schnecke gemacht wird, wie er denn zum Fischen fahren könne, wo "ein Mann stirbt", woraufhin er einen Lachanfall bekommt) wird die Komödie zum Klassiker, der sich immer wieder gut für zwischendurch eignet.

08/10

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