Dienstag, 16. Februar 2010

Die Hure (1991)

DIE HURE (Whore) will laut Regisseur Ken Russell das Gegenstück zum verlogenen "Pretty Woman" sein (beide sind kurz nacheinander herausgekommen).
Als titelgebende Hure erzählt Theresa Russell (die nicht mit dem Regisseur verwandt ist) hier direkt in die Kamera ihre Geschichte, während sie durch die hässlichsten Viertel der Stadt streift, und ihre Geschichte besteht aus nicht gerade schönen oder ästhetischen, und schon gar nicht erotischen Episoden (ihre verkorkste Ehe, das erste Mal als Prostituierte, ihr Verhältnis zum Zuhälter). Im Grunde ist DIE HURE ein einziger langer Monolog, der durch Rückblenden und Begegnungen mit Freiern aufgelockert wird, in einer Art Rahmenhandlung wird sie von ihrem Zuhälter (Benjamin Mouton) verfolgt, von dem sie sich gelöst hat, der das aber nicht hinnimmt.

Das ist sicher nicht jedermanns Geschmack, zumal Theresa Russell ohne Scheu eine ziemlich heruntergekommene, dumme und vulgäre Person spielt. Dieser Figur so lange zuzuhören, kann vielen auf die Nerven gehen, mir nicht. Russell spielt ihre Hure grandios, ohne den zuckersüßen Liebreiz einer Julia Roberts und ohne Traumprinzen, der sie aus dem Elend herausholt. Russells Bilder sind ungeschönt, dreckig und grenzüberschreitend. Der Film will abstoßen, kommt aber um einige Klischees auch nicht herum.
Ken Russell ist bekannt dafür, keine Angst vor freizügigen Themen zu haben, und seine (auch sprachliche) Offenheit sorgt dafür, dass der Beruf der Hure alles andere als glorifiziert wird - das mag übrigens auch der Grund sein, warum viele den Film ablehnen. Vielleicht möchten einige doch ihre Vorurteile über Prostituierte eher bestätigt sehen. So oder so stellt DIE HURE ein interessantes Experiment dar, auf das man sich mehr einlassen muss als üblicherweise im Kino verlangt wird.

DIE HURE hatte es nicht leicht mit Zensoren in aller Welt. Der Film erhielt in den USA das berüchtigte NC-17-Rating, das jede Werbung für den Film unmöglich macht. Allein der Titel sorgte für so viel Entrüstung, dass er schließlich umbenannt wurde in "If You're Afraid to Say It... Just See It" (!). In Irland ist der Film verboten. Die deutsche Fassung ist gekürzt. Das hat man davon, wenn mal offen über käuflichen Sex gesprochen wird. Oder wie der Zuhälter im Film richtig sagt: Die Welt ist voller Heuchler.

8.5/10

Die Hure und ihre Geschichte

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